BHAK News DELTA

“Wenn wir effizienter werden wollen, brauchen wir eine neue Projektkultur”

Kaufmännische Effizienz und ein förderliches Miteinander aller Projektbeteiligten gehen Hand in Hand / KPMG erstellt Leistungsbild kaufmännische Bauherrenvertretung / Präsentation Jahresprogramm 2015

Dienstag, 3. März 2015 –– Kaufmännische Effizienz und ein hoher Anspruch an die Projektkultur schließen einander nicht aus. Im Gegenteil: Möglich wird beides nur durch das jeweils andere. So das Credo der 2012 gegründeten IG Lebenszyklus Hochbau. Denn das vorherrschende systembedingte Gegeneinander im Bauwesen verursache nicht nur Qualitäts- und Baumängel, sondern auch wirtschaftliche Ineffizienz. „Wenn wir effizienter werden wollen, brauchen wir eine neue Projektkultur, die auf gegenseitigem Vertrauen aller Projektpartner beruht. Es zahlt sich aus, partnerschaftlich miteinander umzugehen“, zeigt sich Karl Friedl, Sprecher der IG Lebenszyklus Hochbau, bei der Präsentation des Jahresprogramms von dem 60 Unternehmen starken Verein, überzeugt. Die Arbeitsergebnisse 2015 sollen Bauherren weitere Instrumente in die Hand geben, optimale Rahmenbedingungen für ihre Projekte zu schaffen.

Ab Herbst 2015: Leistungsbild Kaufmännische Bauherrenvertretung
Ab Herbst 2015 dient das „Leistungsbild Kaufmännische Bauherrenvertretung“ als Fachleitfaden und Best-Practice-Standard zur erfolgreichen Umsetzung komplexer Bauprojekte. Unter der Leitung des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens KPMG werden die „Werkzeuge“ und Methoden der kaufmännischen begleitenden Kontrolle, d.h. der laufenden Überwachung des Projekts in Hinblick auf die Interessenslage der kaufmännischen Geschäftsführung, weiterentwickelt. Initiator Erich Thewanger, Partner bei KPMG: „Der Erfolg komplexer Bauprojekte wird auf technischer, rechtlicher und kommerzieller Ebene bestimmt. Ein Bauprojekt kann aus Sicht des Bauherrn auch als „Unternehmen auf Zeit“, also als kommerzielles Projekt, betrachtet werden. Das schließt auch einen hohen Anspruch an die Projektkultur unbedingt mit ein.“

Produktives Miteinander statt gegenseitiges Blockieren
Die für eine entsprechende Projektkultur notwendigen Grundlagen werden im Rahmen der Arbeitsgruppe „Projektkultur – Schmierstoff für eine lebenszyklusorientierte Projektabwicklung“ entwickelt, die von Wolfgang Kradischnig, DELTA, geleitet wird. In Kooperation mit der 2014 gegründeten „Initiative Kulturwandel Bau“ soll insbesondere mit Praxisbeispielen gearbeitet werden, die aufzeigen, welche zwischenmenschlichen Faktoren zum Erfolg bzw. Misserfolg eines Projekts beigetragen haben. Die Verbindung mit theoretischen Modellen, welche diese Faktoren erklären, soll schließlich dazu führen, Werkzeuge und Empfehlungen für eine gelungene Projektkultur zu initiieren und aufrechtzuerhalten.

„Technische, rechtliche und kommerzielle >hard facts< sind für das Gelingen eines Bauprojekts von großer Bedeutung. Ergänzend dazu tragen zwischenmenschliche Faktoren wesentlich zum späteren Projekterfolg bei. Dies findet in der derzeitigen Praxis noch viel zu wenig Beachtung und soll hier berücksichtigt werden“, begründet Wolfgang Kradischnig, IG Lebenszyklus Hochbau, DELTA, die Zielsetzung der Arbeitsgruppe.

Nachhaltig geplant ist noch nicht nachhaltig betrieben
Auf den Inbetriebnahme- und Übergabeprozess im erweiterten Sinne konzentriert sich die von Margot Grim, e7, geleitete Arbeitsgruppe. Konkret wird diskutiert, welche Vorleistungen notwendig sind, um bei der Inbetriebnahme gewährleisten zu können, dass alle Anlagen und Gewerke bereits optimiert eingestellt sind und effizient laufen. Ein Knackpunkt dafür ist die Definition von Verantwortlichkeiten aller am Planungsprozess Beteiligen – Bauherren, Planern, Ausführenden und Betreibern – und deren Kommunikation untereinander.

Grim: „Als Ergebnis erwarten wir uns die Konkretisierung und Definition des Leistungsbildes eines „Inbetriebnahmemanagers“, der im Idealfall den gesamten Projektentwicklungsprozess begleitet und darauf achtet, dass die notwendigen Unterlagen für eine optimierte Inbetriebnahme überhaupt vorhanden sind. Aus unserer Sicht ist das ein Thema, das nicht nur langfristig denkende Bauherren, sondern auch Investoren anspricht, da es sich direkt und positiv auf die Gewährleistung, Mängelbehebung und die Betriebskosten auswirkt.“

Lebenszykluskostenrechnung im Vergaberecht II
Bereits im Vorjahr veröffentlichte die IG Lebenszyklus Hochbau den Fachleitfaden „Lebenszykluskostenrechnung in der Vergabe“. Dieser enthält allgemeine Erläuterungen zum Artikel 68 der EU-Richtlinie 2014/24/EU vom 26. Februar 2014 über die öffentliche Auftragsvergabe und wird noch im März an das Bundeskanzleramt übergeben.

2015 soll ein zweiter Leitfaden erarbeitet werden, in welchem beispielhaft für typische Leistungen der Planung, der Errichtung und des Betriebs von Gebäuden konkrete Spezifikationen für die Lebenszykluskostenrechnung in der Vergabe ausgearbeitet werden.

Dazu Arbeitsgruppen-Leiter Helmut Floegl, Donau-Universität Krems: „Die Arbeitsergebnisse sollen dazu beitragen, die EU-Richtlinie in Österreich sinnvoll umzusetzen. Das Interesse an der Arbeitsgruppe ist groß, wir konnten auch 2015 zahlreiche Bauherren und gesetzgebende Stellen für die Mitarbeit gewinnen.“

Über die IG Lebenszyklus Hochbau
Die IG Lebenszyklus Hochbau optimiert die Prozesse zwischen allen am Gebäudelebenszyklus beteiligten Unternehmen und Organisationen. Das Ziel des 2012 gegründeten Vereins ist es, Bauherren bei der Planung, Errichtung, Finanzierung und Bewirtschaftung von ganzheitlich optimierten, auf den Lebenszyklus ausgerichteten, Gebäuden zu unterstützen. Bauherren können auf den 2014 in einer Neuauflage erschienenen phasen- und bereichsübergreifenden Leitfaden „Der Weg zum lebenszyklusorientierten Hochbau“ zurückgreifen – für weitere Teilbereiche sind zusätzlich zahlreiche Fachpublikationen erschienen. Der 2014 produzierte Trickfilm “Bauen mit Zukunft” trägt dazu bei, die zentrale Rolle des Bauherrn bei der gesamtheitlichen Ausrichtung von Hochbauten zu vermitteln. Alle Publikationen können unter www.ig-lebenszyklus.at kostenlos angefordert werden.

Kontakt
Mag. Helene Fink, DieFink – Agentur für Kommunikation
Mobil: +43 664 521 43 89
helene.fink@diefink.at


Dateien