Arbeiten für die Zukunft – Daily Business und Wiederaufbau in der Ukraine aus Sicht von DELTA
23. Februar 2026
Wer heute über die Bau- und Immobilienwirtschaft in der Ukraine spricht, muss zwei Realitäten gleichzeitig denken. Die eine ist geprägt von Luftalarmen, temporären Stromausfällen und einer permanenten Unsicherheit. Die andere ist erstaunlich stabil, professionell organisiert und klar auf Zukunft ausgerichtet. Genau in diesem Spannungsfeld arbeitet DELTA Ukraine mit aktuell drei Bürostandorten und über 80 Mitarbeiter:innen – seit fast zwei Jahrzehnten vor Ort und auch unter Kriegsbedingungen operativ aktiv.
Unser Büro in Kyiv befindet sich beispielsweise in unmittelbarer Nähe eines strategisch wichtigen Industrieareals, das wiederholt Ziel von Angriffen war. Dennoch beginnt der Arbeitstag meist wie überall: früher Kaffee, kurze Abstimmungen, klare Prioritäten. In den vergangenen Monaten ist die Büroküche zum sozialen Mittelpunkt geworden – nicht aus Symbolik, sondern aus Notwendigkeit, wenn zu Hause zeitweise Strom oder Wärme fehlen. Diese Form von Alltagstauglichkeit ist kein Narrativ, sondern der reale Kontext, in dem Projekte umgesetzt werden müssen.
Was bedeutet unter diesen Bedingungen „Daily Business“? Vor allem strukturierte Projektarbeit. Unsere Teams koordinieren Planungen mit Gemeinden und internationalen Partnern, führen technische Begutachtungen durch, entwickeln belastbare Budgets, bereiten Ausschreibungen vor, überwachen Bauausführungen und sichern Qualität sowie Kosten. Engineering-Präzision trifft dabei auf hohe Koordinationsgeschwindigkeit. Ziel ist stets dasselbe: aus dringenden Bedarfen umsetzbare, finanzierbare und langfristig tragfähige Projekte zu machen.
Inhaltlich reicht unser Portfolio von Hochbau- und Immobilienprojekten bis hin zu Infrastrukturmaßnahmen mit unmittelbarer Wirkung für Bevölkerung und Wirtschaft. Aktuelle Beispiele sind die Entwurfsplanung für das Nadija Children’s Hospital & Research Institute in Lviv, Beiträge zu Gesundheits- und Rehabilitationsprojekten wie Okhmatdyt und UNBROKEN Ukraine sowie der Wiederaufbau des Logistikzentrums der Einzelhandelskette Avrora. Im industriellen Bereich begleiten wir unter anderem großmaßstäbliche Campus- und Produktionsprojekte, bei denen robuste Planung, phasenweise Umsetzung und strikte Kostenkontrolle entscheidend sind. Parallel dazu arbeiten wir an kommunaler Infrastruktur, die Sicherheit, Versorgung und lokale Resilienz stärkt.
DELTA Ukraine kooperiert seit vielen Jahren eng mit internationalen Organisationen und Finanzinstitutionen wie GIZ, UNOPS, UNICEF, EIB, Weltbank und WHO. Seit 2022 haben diese Akteure ihre Investitionen deutlich ausgeweitet (oft mit Fokus auf Gemeinden, die stark von Binnenflucht betroffen sind). In solchen Projekten sind Governance, transparente Vergabeverfahren und überprüfbare Qualität ebenso wichtig wie technische Lösungen. Genau hier liegt unsere Stärke als Projektmanager und Ingenieurpartner.
Häufig wird gefragt, ob in der Ukraine bereits „wieder aufgebaut“ wird. Die klare Antwort lautet: Ja. Allerdings beginnt Wiederaufbau lange vor dem ersten Spatenstich. Er startet mit Schadensanalysen, Machbarkeitsstudien, der Entwicklung von Szenarien, Budgetrahmen, Masterplänen, Genehmigungsstrategien und Ausschreibungsvorbereitungen. Ein Großteil dieser Arbeit geschieht im Hintergrund, entscheidet aber über Effizienz, Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit der späteren Investitionen.
Der Wiederaufbau der Ukraine ist kein rein nationales Projekt. Er ist ein komplexes Zusammenspiel von Gemeinden, internationalen Gebern, privaten Investoren, Planern, Bauunternehmen und Behörden. Unsere Rolle sehen wir darin, diese Akteure in strukturierte Prozesse zu übersetzen und internationale Standards mit lokalen Realitäten zu verbinden. Trotz aller Unsicherheit ist die Richtung eindeutig: Die Ukraine repariert nicht nur, sie modernisiert. Und genau daran arbeitet DELTA tagtäglich.
Bild: UNBROKEN © Mykola Korsun